BMW R 26

Foto einer BMW R26

Allgemeine Informationen

Der Vorgänger der R 26 war das Modell R 25/3 mit 9 kW Nennleistung, Teleskopgabel und Geradweg-Hinterradfederung. Von dieser unterscheidet sich die ab 1955 gebaute R 26 durch einen stärkeren Motor und einen Vollschwingen-Rahmen. Nachteilig ist das hohe Gewicht der Maschine in Verbindung mit der trotz Steigerung verhältnismäßig geringen Leistung. Ein Vorzug der R 26 ist ihre Solidität.

Konstruktionsmerkmale

Rahmen

Der Rahmen ist aus Stahlrohr geschweißt und hat seitlich angebrachte Kugelköpfe für den Seitenwagenbetrieb, der eine spezielle Zahnradübersetzung des Kardanantriebes erfordert. Bei späteren R-26-Modellen (ab Fahrgestellnummer 344637) musste ein Hilfsrahmen für den Beiwagenanschluss montiert werden. Der LS 200 und der S 250 von Steib sind geeignete Seitenwagentypen. Motorblock und Getriebegehäuse bestehen aus Aluminiumguss. Der Motor der BMW R 26 ist in Gummibuchsen an zwei Stellen des Rahmens gelagert. Der Auspufftopf ist elastisch gelagert, um Vibrationen vom Rahmen abzuhalten.

Motor

Der Motor ist wie beim Vorgängermodell R 25/3 ein längslaufender Einzylinder-Viertakt-OHV-Motor mit seitlicher Nockenwelle und außen neben dem Zylinder in verchromten Schutzrohren laufenden Stoßstangen. Diese bedienen die im Zylinderkopf befindlichen Kipphebel, die ihrerseits die hängenden Ventile betätigen. Die Kipphebel sind wie der Kolbenbolzen in Bronzebuchsen gelagert, das untere Pleuellager ist ein Rollenlager. Die Nockenwelle wird über eine im Ölbad laufende Einfachkette von der Kurbelwelle angetrieben. Die Ölpumpe befindet sich in der Ölwanne; sie ist als einfache Zahnradpumpe ausgebildet, die über einen Schneckentrieb (Untersetzung) von der Nockenwelle angetrieben wird.

Auf dem vorderen Kurbelwellenstumpf sitzt hinter dem Stahlblech-Deckel die spritzwasserdicht gekapselte Gleichstrom-Lichtmaschine. Auf dem hinteren Kurbelwellenstumpf sitzt die schwere Schwungscheibe (mit im Schauloch einsehbarer Zündeinstellmarkierung), die die Einscheibentrockenkupplung aufnimmt. Die Kupplung wird mit Axiallager über eine Druckstange betätigt, die durch die hohle Getriebehauptwelle verläuft.

Der Vergaser ist ein Bing-Schwimmerkammervergaser mit 26 mm Durchlass-Durchmesser und konischer Nadel im Rundschieber. Der Luftfilter befindet sich auf dem rechten Seitendeckel. Es handelt sich um einen Nassluftfilter, dessen Sieb bei Verschmutzung gewaschen und mit Öl benetzt wird. Unter dem linken Seitendeckel stecken die Elektrik und die Bleibatterie.

Antrieb

Der Antriebsstrang hat am Getriebeausgang ein winkelbewegliches Drehmoment-Übertragungselement. Dazu ist eine elastische Vierlochscheibe aus Gummi (Hardyscheibe) am Zweifingerflansch des Getriebes aufgeschoben, die das Drehmoment der Getriebeausgangswelle auf die Zweifingeraufnahme der Kardanwelle überträgt. Eine Alu-Kappe umschließt die Hardyscheibe. Die Kardanwelle, eigentlich eine starre Welle, zum Hinterrad läuft trocken im Stahlrohr der Hinterradschwinge, die am Ende das Winkelgetriebe mit Hypoidverzahnung (90° Umlenkung) in einem Alugussgehäuse aufnimmt. Dadurch ist der gesamte Antriebsstrang gegen Verschmutzungen und Feuchtigkeit gekapselt. Die Hypoidzahnräder des Umlenkgetriebes laufen in einem speziellen Schwergetriebeöl für hohe Flankenpressungen (Hypoidöl).

Abgelöst wurde die R 26 im Jahr 1960 durch das Modell BMW R 27, wiederum mit leistungsgesteigertem Motor (13kW/18 PS) und einer komplett neu konzipierten elastischen Aufhängung der Motor-Getriebe-Einheit.

BMW R26 als Behördenmotorrad

Das Modell R 26 wurde auch in der Bundeswehr in Bundeswehr-Standard-Lackierung, beim Roten Kreuz in cremefarbener Lackierung und bei den Polizei-Behörden in Polizeigrün (dem alten dunklen Polizeigrün) beschafft, zumeist zu Ausbildungszwecken. Zehntausende von Soldaten der 1960er- und 1970er-Jahre erlernten das Motorradfahren auf R 26 und R 27.

Siehe auch den übergreifenden Artikel Vollschwingen-BMW und zum Nachfolgemodell BMW R 27.

Interessant sind die Farboptionen der Maschine: schwarz, rot, blau, weiß, zum Teil sogar zweifarbig, immer mit zwei umlaufenden, verschieden dicken handlackierten, i.d.R. weißen Zierlinien. Die originale Farbgebung war zumeist schwarz mit weißer Linierung, seltener weiß mit schwarzer Linierung. Rot soll optional mit schwarzer oder mit weißer Linierung verkauft worden sein. Quelle: Wikipedia | Foto: BMW AG

Aus dem Historischen Archiv der BMW AG:

Mit 47.700 Exemplaren war die R 25/3 bis in die neunziger Jahre hinein das erfolgreichste Motorrad-Modell der BMW Geschichte. Insgesamt kam die Baureihe R 25 mit ihren beiden Überarbeitungen /2 und /3 in knapp über fünf Jahren auf eine Stückzahl von rund 108.000 Exemplaren. Dank des in den frühen Nachkriegsjahren einsetzenden Motorradboom wurden die geradweggefederten Einzylindermodelle zur erfolgreichsten Baureihe in der BMW Geschichte. Zum Januar 1956 erschien dann das Nachfolgemodell, die R 26 mit neuem Fahrwerk. Ebenso wie die im Jahr zuvor vorgestellten Boxermodelle R 50 und R 69 besaß auch die R 26 einen Vollschwingenrahmen. Die rollengelagerte, geschobene Vorderradschwinge basierte auf einer Entwicklung des Engländers Ernie Earles und wurde in ähnlicher Form bereits zwei Jahre vorher in der Serienrennmaschine RS 54 sowie im 1955er Weltrekordgespann von Wilhelm Noll verbaut. Die Kardanwelle verlief komplett gekapselt im rechten Holm der Hinterradschwinge. Der neue Vollschwingenrahmen bot nun auch mehr Verstellmöglichkeiten für den Fahrer: So konnte nicht nur die Vorspannung der Hinterradfederung ohne Werkszeug direkt an den Federbeinen geändert werden, auch der Nachlauf des Vorderrades konnte individuell für Solo- und Gespannbetrieb angepasst werden. Der Tank wurde auf 15 Liter vergrößert und erhielt ein von oben eingelassenes vergrößertes Werkzeugfach. Der mit 7,5 : 1 verdichtete Motor leistete auch dank der um zwei auf 26 mm Querschnitt vergrößerten Vergaser 15 PS (R 25/3: 13 PS) und sorgte für eine Höchstgeschwindigkeit von knapp 130 km/h. Dass die R 26 trotz der ausgereiften Technik nicht an die Erfolge der R 25 Baureihe anschließen konnte, lag an der aufziehenden Motorradkrise in Deutschland. Zahlreiche deutsche Motorradhersteller mussten Konkurs anmelden und auch BMW sollte die nächsten 15 Jahre mit enormen Absatzproblemen zu kämpfen haben.

Auf einen Blick ...

Bauart
Motor
Bauzeit
Bohrung
Hub
Hubraum
Leistung
Vmax
Leergewicht
Gesamt
Tankinhalt
Einzylinder/Kardan
Viertakt OHV
1956 - 1960
68 mm
68 mm
247 cm³
15 PS bei 6400 U/min
128 km/h
158 kg
325 kg
15 ltr


 

Technische Daten

Produktion
1956 - 1960
Fahrleistung:
15 PS bei 6400 U/min
vMax:
128 km/h
Hubraum:
247 ccm
Motorart:
1-Zylinder
Verkaufspreis:
2.150,- DM
Stückzahl:
30.236

Motor

Interne Bezeichnung:
226/1
Bohrung x Hub:
68 x 68
Verdichtung:
7,5 : 1
Gemischaufbereitung:
1 Vergaser
» Bing 1 / 26 / 46
Motorschmierung:
Druckumlaufschmierung
Ölpumpe:
Zahnradpumpe

Kraftübertragung

Kupplung:
Einscheiben trocken
Anzahl der Gänge:
4
Schaltung:
Fußschaltung
Getriebeübersetzung:
5,33/3,02/2,04/1,54
Hinterradantrieb:
Übersetzung 4,16 : 1, mit Beiwagen 5,2 : 1
Kegel/Tellerrad:
6 / 25 Zähne, mit Beiwagen 5 / 26
 

Elektrische Anlage

Lichtmaschine:
Noris ZLZ 60/6/1600 L
Zündung:
Batteriezündung
Zündkerze:
Bosch W 240 T 1

Fahrwerk

Bezeichnung
226/1
Rahmen:
Doppelstahlrohr-Rahmen, verschweißt
Vorderradfederung:
Langarmschwinge mit Federbeinen und Öldruckstoßdämpfern
Hinterradfederung:
Langarmschwinge mit Federbeinen und Öldruckstoßdämpfern
Felgen:
2,15 B x 18 Tiefbett
Bereifung vorn
3,25 x 18
Bereifung hinten
3,25 x 18
Bremsen vorn
Trommelbremse Ø 160 Vollnabe
Bremsen hinten
Trommelbremse Ø 160 Vollnabe

Maße und Gewichte

Länge x Breite x Höhe:
2090 x 660 x 975 mm
Tankinhalt:
15l
Leergewicht:
158kg
Tragfähigkeit:
325kg, mit Beiwagen 480kg
Kraftstoffverbrauch:
ca. 3,3 l/100km
Ölverbrauch:
ca. 0,7 - 1 l/1000km